KERNBEDINGUNGEN
PERSONZENTRIERTER PSYCHOTHERAPIE

EMPATHIE

Verstehende Einfühlung

Empathie im personzentrierten Sinn besteht darin, die innere Welt des anderen emotional und in seiner Bedeutung zu verstehen, ohne sich mit ihm zu identifizieren. Schmerz oder Freude wie der andere zu fühlen, aber gleichzeitig zu wissen, dass es nicht der eigene Schmerz und die eigene Freude ist.

KONGRUENZ

Echtheit in der Begegnung

Kongruenz ist die bewusste Symbolisierung (Ausdruck) und Repräsentation aller bewusstseinsfähigen Erfahrungen, die der Organismus macht. In der therapeutischen Beziehung kann der Therapeut die Gefühle und andere Wahrnehmungen, welche der Klient in ihm – vermittelt durch das empathische Verstehen – auslöst, zur Verfügung stellen.

AKZEPTANZ

Bedingungsfreie Beachtung des Klienten

Bedingungsfreie Beachtung liegt dann vor, wenn Erfahrung und Erleben des Klienten nicht bewertet werden oder an bestimmte Bedingungen und Vorstellungen des Therapeuten geknüpft sind. Die emotionale Qualität ist gekennzeichnet von Wärme, Liebe, Respekt, Sympathie oder Anerkennung.

Das seltsame Paradoxon ist, dass, wenn ich mich so akzeptiere wie ich bin, ich die Möglichkeit erlange, mich zu verändern.

CARL R. ROGERS

DER THERAPEUTISCHE ANSATZ

Psychotherapie nach dem Personzentrierten Ansatz (PZA) von Carl R. Rogers (1902–1987) fördert die Persönlichkeitsentwicklung durch unmittelbare Begegnung im therapeutischen Prozess, für dessen Gelingen jedoch bestimmte Bedingungen notwendig sind.

Psychische Beeinträchtigungen können Ausdruck dafür sein, das tatsächliche unmittelbare Erleben nicht mit dem Selbstbild in Einklang zu bringen. Dieser Zustand der Inkongruenz kann zu psychischen und somatischen Problemen und verzerrten Verhaltensweisen im alltäglichen Leben führen.

Wenn einfühlendes Verstehen (Empathie), bedingungsfreie positive Beachtung (Akzeptanz) und Echtheit in der therapeutischen Beziehung (Kongruenz) erlebt wird, kann ein Prozess in Gang gesetzt werden, der dazu führt, Leiden zu verringern oder zu überwinden. Das Angebot einer angstfreien therapeutischen Beziehung kann Vertrauen in die Kraft des eigenen Veränderungspotentials stärken und Heilungsprozesse fördern.

Rogers (1959) meint sinngemäß, dass der Prozess der Veränderung unter diesen Voraussetzungen beginnt, niemals jedoch ohne diese Bedingungen.

Im Mittelpunkt steht der Klient/die Klientin als Person. Klassifizierende Diagnosen sind für die Personzentrierte Psychotherapie von geringer Bedeutung, vergleichbar einer Beschreibung abstrakter „Orte“ auf einer Landkarte zur Orientierung im „Erklärungsdschungel“ von Psychiatrie, Psychologie und verschiedenen psychotherapeutischen Schulen.

Die therapeutische Begegnung findet im „Hier und Jetzt“ statt, unter Verzicht auf Techniken, Interpretationen, Ratschläge und Vermittlung bestimmter Verhaltensweisen. Die Veränderung beginnt, wenn der Klient Empathie, bedingungsfreie Akzeptanz und Echtheit des Therapeuten erlebt. Nichts soll der Unmittelbarkeit der Begegnung im Wege stehen.

Vereinfacht gesagt geht es darum, der Person mit Empathie, Echtheit und Akzeptanz zu begegnen und mit ihr gemeinsam an der Entfaltung ihrer Persönlichkeit zu arbeiten, kurzum: zu werden, was sie ihrem Wesen nach ist.

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