Therapeutischer Ansatz

Psychotherapie im Verständnis des Personzentrierten Ansatzes (PZA) nach Carl R. Rogers (1902 - 1987) bedeutet Persönlichkeitsentwicklung durch unmittelbare personale Begegnung im therapeutischen Prozess.

Eine Beeinträchtigung des psychischen Wohlbefindens kann demnach konkreter Ausdruck der Schwierigkeit sein, das tatsächliche Erleben im Alltag mit dem bestehenden Selbstbild in Einklang zu bringen. Dieser Zustand, Inkongruenz genannt, kann zu vielfältigen psychischen und somatischen Leidenszuständen, zu Verzerrungen im alltäglichen psychischen Erleben und zu Problemen in den persönlichen Beziehungen führen.

 

Im Erleben einfühlenden Verstehens (Empathie), bedingungsfreier positiver Beachtung (Akzeptanz) und Echtheit (Kongruenz) in der therapeutischen Beziehung in unmittelbarer Begegnung mit dem Therapeuten/der Therapeutin können solche Leidenszustände verringert oder ganz überwunden werden. Dadurch kann Vertrauen und Zuversicht in die Kraft des eigenen Veränderungspotentials und der Persönlichkeitsentwicklung  wachsen.

 

Sinngemäß meint Rogers (1959): der Prozess der Veränderung beginnt unter diesen minimalen Voraussetzungen, jedoch niemals ohne diese Bedingungen.


Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit im therapeutischen Prozess steht immer der Klient/die Klientin als Person. Klassifizierende Diagnosen nach Störungsbildern und bestimmten Symptomen sind für die Personzentrierte Psychotherapie von geringer Bedeutung, vergleichbar einer Beschreibung abstrakter "Orte" auf einer Landkarte zur Orientierung im “Erklärungsdschungel“ von Psychiatrie und Psychologie sowie verschiedener psychotherapeutischer Schulen.


Die Begegnung im therapeutischen Prozess erfolgt unter den oben genannten Bedingungen im "Hier und Jetzt" der unmittelbaren therapeutischen Beziehung. Um die Präsenz und Unmittelbarkeit der therapeutischen Beziehung zu gewährleisten wird auf Techniken, Interpretationen, Ratschläge und Vermittlung bestimmter Verhaltensweisen verzichtet. Um den Prozess der Veränderung in Gang zu bringen reicht es aus, wenn für den Klienten/die Klientin Empathie, bedingungsfreie Akzeptanz und Echtheit des Therapeuten/der Therapeutin erlebbar wird. Nichts soll der Unmittelbarkeit der Begegnung im Wege stehen.

Vereinfachend gesagt geht es in der Personzentrierten Psychotherapie darum, der Person mit Empathie, Echtheit und Akzeptanz zu begegnen. Um das Bemühen darum, die Person so zu verstehen, dass sie dessen gewahr wird und mit ihr gemeinsam an der Entfaltung ihrer Persönlichkeit zu arbeiten, kongruenter zu werden, kurzum: zu werden, was sie ihrem Wesen nach ist.



"Vor der Unmittelbarkeit der Beziehung wird alles Mittelbare unerheblich",

Martin Buber (Ich und Du, 1923)

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